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Die Erfahrung, sich in Menschen zu täuschen, ist nie schön. Oft kann es ziemlich wehtun, jemanden zu verlieren, der einem alles bedeutet hat. Vor allem wenn man merkt, dass es scheinbar bei jeder Person so ist und einem auffällt, dass man eigentlich viel zu viel auf das hört, was andere über einen sagen. Man wird Abhängig von der Nähe und Zuneigung anderer Personen, so sehr, dass man aufhört, auf sich selbst zu achten.
Es werden Vergleiche aufgestellt wo es nur geht. Die eigene Leistung, das eigene Aussehen, die eigenen Gefühle, die eigenen Hobbys, alles muss in ein Konzept passen, was wir nicht festlegen.
Mein Ziel? Meine Meinung? Mein Ergebnis? Ach, eigentlich mach ich nur das, was die anderen tun.
Ohne liebe Worte, Zuneigung und Harmonie mit von und mit anderen, wird das Leben zur Qual. Man sucht Bestätigung und Liebe, weil man sie von sich selbst nicht bekommt.

Du kannst dich selber nicht ertragen, nichts finden was du an dir magst, dich nicht loben, nicht stolz auf dich sein. Irgendwann ist eine Person, die dir diese schönen Dinge geben konnte, die du dir selbst nicht geben kannst, irgendwann ist sie weg. Natürlich, es ist nicht leicht, bei so jemandem zu bleiben. Denn wer sich selbst nicht lieben kann, fordert ununterbrochen, ist ständig beleidigt, hat ständig Angst allein gelassen zu werden, ist immer unselbstständig und sehr zerbrechlich. Man ist so von seiner Ansicht, seinen Gedanken überzeugt, dass man schon fast im Selbstmitleid versinkt, zu sehr klammert und immer zu viel erwartet. Wer sich nicht selbst mag, wie soll er dann anderen zeigen können, dass er sie mag? Wie soll er Liebe ausdrücken können, ohne dem anderen Angst zu machen, ohne ihn zu bedrängen, dass man ja ohne ihn niemand mehr wäre, nicht lebensfähig.

Es ist so wichtig, sich selbst zu mögen. Allein die Erkenntnis, dass die Einstellung zum eigenen Körper, zu sich selbst, zum eigenen Können, nicht wirklich mit dem zusammenpasst, was andere sehen, oder mit dem was man eigentlich leistet, ist ein großer Schritt. Und der wichtigste.
Sobald man anfängt, auf seine Gedanken acht zu geben, sich zu merken, was man gut macht, zu merken was man an sich nicht mag und zu prüfen, ob die eigene Sicht nicht ziemlich verdreht ist.

Natürlich können einem dabei andere Menschen helfen, doch in erster Linie sollte man sich im Guten mit sich selbst auseinander setzen. Zeit mit sich selbst verbringen, sich selbst ganz neu kennenlernen. Sich selber schätzen und mögen können, ist eine große Kunst. Aber es ist nicht unmöglich.

Jeder ist für sein Glück selbst verantwortlich. Du bist nicht das, was andere aus dir machen. Du bist von niemandem abhängig, außer von deinem eigenen Herz, das für dich schlägt. Es gibt genug Menschen, die dir das Leben schwer machen wollen, unterstützt sie nicht. Es klingt am Anfang unmöglich, aus dieser Spirale der miesen Gedanken und Abneigung herauszukommen, doch irgendwann, irgendwann merkt man eine Veränderung. Auf diese Veränderung kann man stolz sein, an ihr wachsen und endlich anfangen, sich selbst als Freund zu sehen und viel wichtiger, ihn auch so zu behandeln. 

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Ein Gedanke pausenlos
So weich, so anders, so gewollt
Ein Moment gefroren
In dem Augenblick des Jetzt
Kribbeln unter der Haut
Breitet sich aus, viel zu schnell
Ist er vorbei, der Kuss

Wo kommst du plötzlich her? Was willst du und warum von mir? Meinst du es ernst oder war es ein Versehen? Hast du nicht richtig hingeschaut und wirst beim nächsten Mal bemerken, dass ich nicht das bin, was man schön findet? Stürzt mich meine Hoffnung schon in Verzweiflung an ein Ende ohne Anfang? Warum guckt einer wie du ein Mädchen wie mich nur an? Schämst du dich nicht? Du mit einer wie mir, das geht doch nicht. Siehst du nicht was ich sehe? Bitte, bitte mach die Augen auf, bevor es zu spät ist und ich mich wieder verliere. Ich mache mich zu sehr von Personen abhängig, werde jetzt schon nervös wennn du zu lange nicht antwortest. Es ist so albern und unnötig wie ich. Doch es geht irgendwie nicht anders, ich kann irgendwie nicht anders. Bei mir bist du bestimmt nur falsch verbunden, ich versteh schon. Aber bitte, lass mich nicht zu lange zweifeln.

face

Dieses Gefühl, konstant zu nerven. Immer mit der Angst zu leben, dass man sich Menschen zu sehr aufdringt oder sie dich eigentlich gar nicht mögen. Denn wer sollte sich schon über meine Gesellschaft freuen.

Die Person, an der ich am meisten zweifel, die ich am meisten kritisiere, dass bin ich. Ich sehe komisch aus, ich passe nicht ins Konzept, ich falle aus dem Rahmen. Ich kann nicht das tun was man von mir erwartet, ich breche weinend vor dem Spiegel zusammen wenn ich das Haus verlassen soll. Es ist komplett lächerlich und albern, aber so ist es. Es ist, als würde eine kleine Sache mit komplett wertlos machen. Nichts an mir ist perfekt, nichts an mir ist schön. Alles könnte besser sein, ich könnte besser sein. Doch ich bin es nicht. Ich bin es nicht wert. Ich könnte selber den ganzen Tag neben mir stehen und mich auslachen.
Spiegel kann ich nicht meiden, sie holen mich jedesmal zurück auf den Boden, zeigen die Wunden, die Fehler und lassen mich ungeschützt die Wahrheit sehen. Ich schäme mich, ich schäme mich für das was ich bin.
Ich will alles rausschneiden, alles verstecken, alles verändern, alles vergessen. Meine Augen sehen nichts annehmliches. Niemand sollte mich sehen. Sowas wie ich sollte gar nicht da sein.

Blicke von anderen packen mich und lösen Panik aus. Schaut doch weg, ich weiß es doch, ich weiß wie ich aussehe. Es tut mir leid. Ich will nicht auffallen, nicht so. Ich brauche Zeit um alles zu verändern, anzupassen, unauffälliger zu gestalten. Hauptsache am Ende erkenne ich mich nicht wieder. Meine Maske. Mein Versteck. Das einzige, was es mir möglich macht überhaupt irgendwie zu leben. Das einzige, was mir Hoffnung gibt, dass es andere nicht erkennen, das Monster in mir drin.

rot

Wie macht man seinem Kopf klar, dass Pläne und Vorhaben nicht länger verfolgt werden müssen, dass das, woran er solange geglaubt hat, wo draufhin gearbeitet wurde, nicht mehr gültig ist. Immer wieder diese Momente, ach da war ja was, das wollten wir doch machen. Und dann ist es wieder da, das Gefühl des Vermissens, der Schmerz und die Sehnsucht, die unendliche Sehnsucht. Die nicht versteht, wie alles so kommen konnte, wie das passieren konnte, die in deine Haut einschneidet, die dich schlecht macht, die dir Hoffnung nimmt, die dich dazu bringt Dinge zu tun, nur um etwas anderes zu fühlen, nur noch einmal, nur noch einmal diese Erleichterung, diesen Druck loswerden, diese feinen Linien, schön sehen sie aus. Das war dann aber auch das letzte Mal, ganz bestimmt.

Und es hilft, manchmal eine Woche, manchmal einen Tag. Doch das Verlangen, das Gebrüll im Kopf, dass dir zeigen will, was du mit mir gemacht hast, was dir zeigt, was du hättest wissen müssen, es wird immer größer. Dazu jedesmal die Feststellung, dass du dich nie schlecht gefühlt hast, mich nie vermisst hast. Während ich da sitze, das Rot beobachte und merke, wie sich der Kopf langsam anfängt zu drehen.

Ich habe es von Anfang an gesagt und doch jedes Versprechen geglaubt. Und natürlich fällt mir jetzt so viel auf, so viel was ich hingenommen habe, so oft wie ich geschwiegen habe. Dann bin ich nur noch wütender auf mich selber. Das ich jedesmal aufs neue anfange darüber nachzudenken kotzt mich an, weil es eh nichts bringt, du bist weg, wir sind weg. Dann schreibe ich den ganze Mist noch auf, wie viel Energie ich noch wegen dir verschwende, wie viel Zeit du mir raubst, wie viel Leben du mir nimmst. Es ist lächerlich.

Damit sind wieder zwanzig Minuten verschwendet. Danke für nichts.

i understand, i do,  i wouldn't want me, too

lachen

Was ist, wenn du zu lange in die falsche Richtung läufst,
Und dann den Weg nicht mehr zurück findest?
Was ist, wenn du zu lange in einer Ecke stehst,
Und dann den Raum nicht mehr durchqueren kannst?
Was passiert, wenn du zu lange unter Wasser bleibst,
Und dann deine Luft nicht mehr zum auftauchen reicht?
Was passiert, wenn du so lange still bist,
Und dann vergisst, wie man spricht?
Was ist wenn du zu lange nach unten schaust,
Und alle um dich rum verlierst?
Was ist wenn du zu lange traurig bleibst,
Und am Ende kein Glück mehr erkennst?

Du wirst laut, du schreist, du machst Dinge, die du sonst nie gemacht hast, du lebst gegen jedes deiner Prinzipien, du fliehst aus der Routine, du lebst den Moment, du lernst loszulassen und vor allem, du lebst, du lebst so wie es dir gerade passt.
Du nimmst dir was du brauchst, du probierst dich aus, du gibst alles, du brichst aus. Du umarmst, du küsst, du redest Nächte lang durch, du lernst Menschen kennen, die am nächsten Tag nicht mehr wissen wer du bist, und es ist ok.
Du bist alles was du immer sein wolltest, du bist das, wovon das kleine Mädchen damals geträumt hat. Wenn du ehrlich bist hast du keine Ahnung, was du als nächstes tun wirst, es wird sich alles irgendwie ergeben. Deine Angst ist auch nicht kleiner geworden, deine Gedanken nicht heller, doch du hast keine Lust mehr dich zu verstecken. Wie lange das anhalten wird? Keine Ahnung, es ist eigentlich auch egal. Wenn du ehrlich zu dir selber bist, ist dir alles egal. Auf der einen Seite versüßt dir das die Nächte, doch auf der anderen Seite, macht es dir auch viel kaputt. Du weißt wie schwach du bist, du weißt wie hilflos du vor dem Krankenbett stehst und einfach keine Ahnung hast, wie du dich richtig verhältst. Du willst seine Hand nehmen, doch hast Angst, es falsch zu machen, lächerlich zu wirken, deine Gefühle nicht sicher verschließen zu können. Wenn du dich selbst darstellen müsstest, wüsstest du gar nicht, welche der vielen verschiedenen Personen du nehmen solltest.

Aber darauf kommt es dir gerade nicht an, du versuchst mit allen Mitteln das Leben zu fühlen, zu spüren, dass du noch lebst, zu spüren, dass du noch irgendwas fühlen kannst.
Und gleichzeitig hast du das kleine Männchen im Kopf, dass dich auslacht, weil du nur ein weiteres Mädchen bist, das größer wird und in zehn Jahren wahrscheinlich selbst über ihre eigene Dummheit schmunzelt, so wie es jetzt schon die meisten tun.